PORTRÄT «Ich bin EXIT-Mitglied, weil …» Aus 15 Jahren Erfahrung in der Langzeitpflege weiss Jan Honegger, wie unter schiedlich das Sterben verlaufen kann – und warum Vorsorge so wichtig ist. Ich will damit niemandem Angst ma- chen. In der Langzeitpflege gibt es viele berührende, schöne und wür- devolle Lebensabende. Wer selbst möchte und ein unterstützendes Umfeld hat, kann auch mit mehre- ren Erkrankungen noch viel Lebens- qualität erleben. Das ist möglich und das sehe ich genauso oft wie die schwierigen Fälle. Aber ich will nichts beschönigen. Es gibt eben auch die andere Seite. Und die muss man ge- nauso transparent, offen und ehrlich benennen. Darum ist Vorsorge entscheidend. Wer nicht will, dass am Ende andere für ihn entscheiden – Ärzte, Ange- hörige, Institutionen –, muss heute Klartext sprechen. EXIT bietet dafür konkrete Werkzeuge: eine einfach verständliche Patientenverfügung, die man online ausfüllen und bei Bedarf jederzeit anpassen kann. Sie wird geprüft, rechtskonform ge- speichert und ist im Notfall digital abrufbar für EXIT, deine Vertrauens- personen und medizinisches Fach- personal. Diese Verfügung tritt in Kraft, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann. Sie klärt, ob man künstlich ernährt werden will, ob Wieder- belebungsmassnahmen gewünscht sind oder ob man lieber in Ruhe ge- hen möchte. Keine Grauzonen. Kei- ne Spekulationen für Angehörige. Nur der eigene Wille zählt. Pflege- bedürftig kann man in jedem Alter werden, nicht nur durch schwere Erkrankungen, sondern auch ganz plötzlich durch einen Unfall. Und was ist mit dem begleiteten Suizid? Auch das ist in der Schweiz legal, sofern bestimmte Vorausset- zungen erfüllt sind: Man muss ur- teilsfähig sein und den Wunsch frei, dauerhaft und wohlerwogen äus- sern können. Eine akute psychische Krise gilt dabei als Ausschlussgrund, weil sie das Urteilsvermögen beein- trächtigen kann. Begleiteter Suizid bedeutet nicht, dass man Menschen zum Sterben drängt. Es bedeutet, dass man sie nicht zwingt, gegen ihren Willen weiterzuleben. Es geht nicht um Sterben um jeden Preis, sondern um Selbstbestimmung, gerade dann, wenn das Leben zur Qual geworden ist. EXIT prüft sorgfältig, ob alle Vo- raussetzungen erfüllt sind, ob keine Fremdeinwirkung vorliegt und ob der Entscheid wirklich durchdacht ist, nicht impulsiv, sondern reflek- tiert. Fazit: Sterben ist keine Niederlage. Es ist Teil des Lebens. Und genau deshalb sollten wir es nicht verdrän- gen, sondern selbstbestimmt gestal- ten. EXIT ist eine Organisation, die Menschen dabei unterstützt, ihren letzten Weg bewusst zu wählen, wenn es so weit ist. Ich bin EXIT-Mit- glied, weil ich weiss, wie schnell sich alles ändern kann. Und weil ich will, dass mein letzter Wille zählt, nicht irgendwann, sondern ab heute. Soll auch Ihre Geschichte hier stehen? Schreiben Sie uns: info@exit.ch Ich bin 32 Jahre alt, gesund, selbst- ständig, mitten im Leben. Und trotz- dem habe ich mich bei EXIT ange- meldet. Nicht, weil ich aktuell gehen will, sondern weil ich weiss, wie grau- sam, entwürdigend und einsam das Sterben in unserer Gesellschaft oft aussieht. In über 15 Jahren in der Langzeitpflege habe ich viele gute Abschiede gesehen, aber auch Situ- ationen, die niemand erleben will. Keine Grauzonen. Keine Spekulationen für Angehörige. Nur der eigene Wille zählt. Ich habe Menschen gepflegt, die nicht mehr lebten, sondern nur noch funktionierten. Menschen, deren Körper sie längst im Stich gelassen hatten, deren Blick leer war, deren Alltag aus Medikamenten und völ- liger Abhängigkeit von Dritten be- stand. Das ist keine Lebensqualität – das ist ein biologisches Weiter- existieren ohne Sinn. Und ich wet- te, niemand von uns will so enden: gefangen im eigenen Körper, ohne Entscheidungs- und Handlungsfä- higkeit. 34 EXIT-Info 2.2026