MITGLIEDERFORUM Selbstbestimmt bis ans Lebensende. Info 2.2025 V e r e i n s v e r s a m m l u n g 2 0 2 5 a m 2 4 . i m « V o l k s h a u s » M a i Z ü r i c h Bildthema: Roswitha Strothenke Schicksal: Mein Bruder und sein letzter Weg mit EXIT Interview: «Es war wunderbar, aber jetzt ist genug» 43. Vereinsversammlung: Hier finden Sie alle Details Porträt: «Liebe zum Leben wieder erwacht» Seite 4 bis 5 Seite 6 bis 9 Seite 13 bis 36 Seite 42 Zum Interview mit Heinz Rüegger (EXIT-«Info» 2.25): Wie beruhigend und bestätigend waren die Ausführungen des Herrn Dr. theol. Heinz Rüegger zum Thema Alter, Ster- ben und Suizidhilfe. Mit Respekt verfolgte ich seine Thesen und konnte sie mit Gelassenheit bejahen. Möchten doch viele Menschen sich frühzeitig Gedanken machen über die Endlichkeit des Lebens – sie könnten etwas Weisheit und Frieden geschenkt bekommen. Ich jedenfalls bin dem A utor der überaus lesenswerten Stellungnahmen sehr dankbar. MARLIS GÜNTER-WIDMER, WÜRENLOS Zum Beitrag «Wenn Paare gemeinsam aus dem Leben scheiden» (EXIT-Medienspiegel vom 10.02.25, Rubrik «Aktuelles», exit.ch) Für meine Partnerin – leider im März 2025 plötzlich ver- storben – und mich, war es schon sehr bald klar, dass wir gemeinsam sterben wollen. Das hatten wir auch schriftlich so festgelegt. Aber das Schicksal hat es anders gewollt! Trotzdem mache ich mir weiterhin Gedanken darüber, was eigentlich gegen dieses gemeinsame Sterben spricht. Die Argumente dagegen, von Psychologen, Psychiatern, Seelsorgern, Politikern und anderen «Experten» sind, rein juristisch gesehen, vielleicht korrekt, sind aber bar jeder Menschlichkeit! Wie zu lesen war, ist auch EXIT gegen die- se Art von Sterbehilfe*. Angenommen ein Ehe- oder Kon- kubinatspaar lebt mehrere Jahrzehnte zusammen. Dann stirbt die Frau. Der Mann, der zurückbleibt hat auch schon ein gewisses Alter, hat selbst gesundheitliche Probleme, hat von Kochen, Haushalt, Einkaufen, Wäsche machen, 32 EXIT-Info 3.2025 usw., keine Ahnung, ist total auf sich allein gestellt. An- gehörige sind auch keine mehr anwesend, ja was dann? Als letzte Konsequenz bleibt nur noch die Abschiebung in ein Heim, was für den Betroffenen oder die Betroffene (es gibt auch Frauen, die in diese Situation kommen können, vermutlich aber weniger hilflos sind) Horror sein muss. Fi- nanziell sind die Betroffenen unter Umständen auch nicht gut aufgestellt, ergo muss der Staat bezahlen. In meinem Fall ist es zum Glück nicht so. Ich konnte mich schon immer, wenn es sein musste, um das «Geschäftliche» selbst küm- mern. Liess mich aber gerne von meiner Partnerin 20 Jahre lang verwöhnen, und stehe wohl vor einem grossen Loch, bin aber noch nicht hineingefallen. Ich erkenne z. B. schon die Symptome von kochendem Wasser und kann mir so eine Suppe zubereiten. Fehlen tut das Menschliche! Heim- kommen in eine leere Wohnung, keine Begrüssung, kein Kuss, keine Umarmung, keine Zärtlichkeiten, niemand zum Diskutieren oder zum Zuhören! Das ist viel schlimmer als auf die sehr guten Gemüse-Gratins verzichten zu müssen, die ich mir in absehbarer Zeit vielleicht selbst zubereiten kann. Warum wird uns das Sterben so schwer gemacht? Warum muss sich hier auch noch der Staat einmischen und mir vorschreiben, wann und wie ich zu sterben habe? Ich wurde auch nicht gefragt, ob ich auf diese Welt kommen wolle, daher ist doch mein gutes Recht selbst zu bestim- men, wann ich sie wieder verlassen möchte. Ob ich gesund bin oder krank, darf doch keine Rolle spielen! Wenn ich ge- nug habe von dieser total aus den Fugen geratenen Welt, sollte ich sie doch verlassen können, ohne mir noch die Er- laubnis vom Staat einholen zu müssen! HANSPETER FORSTER, BERN *Anmerkung der Redaktion: EXIT lehnt gemeinsame Freitodbeglei- tungen von Paaren nicht grundsätzlich ab. Für solche Fälle gelten dieselben Voraussetzungen wie für jede Freitodbegleitung mit EXIT. Das heisst auch: Gesunde, alte Menschen werden von EXIT nicht in den Tod begleitet. Zudem besteht bei Paarbegleitungen eine erhöhte Sorgfaltspflicht. Die Situation beider Partner wird einzeln und eingehend geprüft. Deshalb erhalten die Betroffenen jeweils eine eigene Begleitperson, die unter anderem abklärt, ob eine problematische Beeinflussung durch den Partner oder die Partnerin vorliegt. «Playing with Identity» Menschen tragen unterschiedliche Masken: solche der Fröhlichkeit, der Höflichkeit, der Hilfsbereitschaft, der Überlegenheit, der Überheblichkeit, des Stolzes, der Do- minanz … Jeder entscheidet für sich, wie er wahrgenommen wer- den möchte. Wir haben die Wahl, welches Selbstbild wir zum Ausdruck bringen, wie wir uns anderen präsentieren wollen.